Modulare Frakturschrift »Combit« für Streetartists

Combit – Hitting the Streets ist die Masterarbeit von André Apel am Institut für Designforschung (design2context) an der Züricher Hochschule der Künste (ZHdK). Anhand der Neuinterpretation einer gebrochenen Schrift, der Schwabacher, entwickelte Apel ein modulares Schriftsystem, »das es vor allem Streetart-Akteuren im urbanen Raum erlaubt, ihre Kunst durch eine textuelle Dimension zu erweitern. Dabei fließen sowohl der individuelle Stil des Künstlers, als auch die immer wiederkehrenden stilistischen Grundzüge der Combit in die Gestaltung mit ein.«

combit1 combit2 combit3
combit4 combit5 combit6
combit7 combit8 combit9

Das Combit-Schriftsystem besteht aus 30 Schwabacher-Modulen. Die Elemente können individuell kombiniert werden und ergeben dabei neue Glyphen, die den Stil des Künstlers transportieren, doch immer auch als Combit-Komposition zu erkennen sind. Ziel ist zum einen eine Bereicherung des Streetart durch ein neues Texttool, das in seiner Formensprache die überwiegend bildhafte Darstellungsweise der Streetart aufgreift und ergänzt. Zum anderen soll die individuelle Anwendung, das Experiment und die Fortsetzung der Entwicklung des Schriftsystems und seiner Elemente durch die Streetartists selbst fortgeführt werden.

Auf der Website use-combit.com kann man sich kostenlos die Elementebox downloaden (»GetMe«), die alle Formen als Vektor-Art enthält. Hier findet man auch einen Film, der die Anwendung erklärt sowie weitere Informationen über die Entstehung und die Gedanken dahinter. Eine Galerie mit Photos und Videos, wie mit der Combit umgegangen wird, wurde ebenfalls angelegt. Sie dient auch der nachhaltigen Beobachtung und Dokumentation, wie sich die verschiedenen Stile hinsichtlich unterschiedlicher regionaler Aspekte unterscheiden. Die Ausarbeitung von Combit wurde unterstützt von Jan Schöttler, Kim Hensler und Thomas Wimmer. Bei der »Zerlegung der Schwabacher« half FontFont-Designer Christopher Burke.


17 Kommentare

  1. frenk ratsch

    Eine superschöne Arbeit! Sehr konsequent, durchdacht und oberstylish ausgeführt. Der Charakter der Schwabacher ist wirklich gut interpretiert worden und die geniale Website ist sehr gelungen. Macht riesig Spass, sich treiben zu lassen, sich in spielerischer Weise zu den einzelnen Inhalte vorzuarbeiten und nicht alles serviert zu bekommen! Auch die Nachhaltigkeit, mit der die Ergebnisse beobachtet werden und der räumliche Gedanke hinter der Aktion gefallen mir!

  2. Simon Wehr

    In der Anwendung allerdings nicht gerade trivial. Da brauchst schon viel Begeisterung, um zu ordentlichen Ergebnissen zu kommen.

  3. robertmichael

    stimmt simon, da brauch man wirklich gute typografische kenntnisse. aber es ist schon interessant was man mit ein paar grundformen anstellen kann. schöne idee, gute arbeit.

  4. aboa

    ich denke der umgang ist auch eine frage der übung. trotzdem lohnt sich meiner meinung nach der aufwand, da das ergebniss immer wieder verblüffend ist. außerdem gefällt mir, dass einem “alten verstaubten schrifttyp” neues leben eingehaucht wurde. klasse arbeit – weiter so !!

  5. Jens

    erstaunlich, wie aus den einzelnen Elementen dieser altdeutschen Schrift, eigentlich schon fast mehr orientalisch aussehende Zeichen generiert werden können… Wirklich genial gemacht, das Ganze :)

  6. Hansi

    Wieso vorgefertigte schriftelemente nehmen und nich selber welche machen ?

    streetart = gaysport

  7. jan

    Hey Hansi!

    Danke für Dein Kommentar… Wie es scheint, hast Du aber weder Streetart, noch die Idee hinter unserer Aktion verstanden.

    Combit ist ein Experiment, das unter anderen Aspekten auch die Macht der Masse analysiert. Und das nicht weil Streetart gerade kommerziell ausgeschlachtet wird, sondern wir beobachten, wie sich aus dem unterschiedlichsten Umgang mit den Elementen der Toolbox eine Redundanz ergibt.

    Diese soll in das Bewusstsein der Öffentlichkeit eindringen, deren Blick auf die positiven Aspekte der Streetart lenken und so nachhaltig das negative Image der Strassenkunst verändern.

    So würde der künstlerische Anspruch der Streetart betont und das ohne Verrat an der individuellen Ausdrucksweise der einzelnen Künstler zu begehen…

    Bei uns sind übrigens auch Heterosportler herzlich eingeladen, es mal zu versuchen -> Use Combit!

  8. andré

    hey jungs, ob schwul oder hetero.. DANK euch für die coolen kommentare. andré
    -> Use Combit!

  9. das_Produkt

    Das find ich wirklich gut, dass die Frakturschrift mal wieder aus der Mottenkiste geholt wurde. Frakturschriften gehören meiner Meinung nach sowieso zu den unterschätztesten Schriftarten.

  10. Jürgen F.

    “So würde der künstlerische Anspruch der Streetart betont und das ohne Verrat an der individuellen Ausdrucksweise der einzelnen Künstler zu begehen…”

    Ein Schablonensystem für die individuelle Ausdrucksweise? Widerspricht sich – trotz Spielraum in der Ausführung – meiner Meinung nach.
    Auch unterstützt es wenig den künstlerischen Anspruch, ein vorgefertigtes System zu benutzen. Lieber alles selber machen. Hansi hat schon irgendwie recht.
    Desweiteren mag die Öffentlichkeit doch Streetart, sonst gäb’s doch kein Ausverkauf…

    Und die Fraktur wurde auch nicht wirklich aus der Mottenkiste geholt, liebes “das_Produkt”. Berechtigterweise findet sie in den letzten Jahren wieder vermehrt Anwendung, abgesehen von Hooligan-Stickern und Altherren-Kneipen.

    Nichts desto trotz gefällt mir die grafische Aufbereitung deines Projekts.

  11. lvgwinner

    Na das freut mich aber auf wieviel Resonanz Combit hier gestoßen ist.

  12. lvgwinner

    Ouhaueha, bei der Combit-Website hat der Namensinhaber von “Combit” offenbar keinen Spaß verstanden und den Jungs einfach den hahn zugedreht. So was ist einfach immer wieder bitter….

  13. Franz

    Hey, wie kommt man eigentlich jetzt trotzdem noch an die Schablonen ran? Oder Kontakt zu André Apel? Mich würde überhaupt der Entstehungsprozess interessieren, bzw. der Text der Arbeit. Ich habe mit StreetArt zwar bisher nichts am Hut, aber beschäftige mich mit Bruchschriften. Wenn die in Streetart vorkommen, dann ist das für mich umso interessanter.
    Andre, wenn Du das liest, kannst Du mir bitte im Forum http://deutsche-schrift.foren-city.de/ untert Bruchschrift5 eine Nachricht hinterlassen oder dort gleich eine PM schreiben? Bin wirklich sehr interessiert an dem Thema.

Kommentieren

<em>kursiv</em>   <strong>fett</strong>   <blockquote>Zitat</blockquote>
<a href="http://www…">Link</a>   <img src="http://bildadresse.jpg">