Fontblog Spaß

Haselnussbrotaufstrich mit eigenem Namen

Mir gefallen ja solche Aktionen, wie sie gerade von Nutella veranstaltet werden. Unter dem Motto »dein nutella« können Fans des süßen Brotaufstrichs auf nutella.de ihr eigenes Etikett beschriften und sich zusenden lassen. Die Texteingabe wird von einer Vornamen-Datenbank überwacht, so dass Firmennamen und Konkurrenzmarken nicht angenommen werden. Schade … nichts wäre skurriler auf dem Frühstückstisch als ein Nutella-Glas, das sich Nudossi nennt.

nutella


Schlimmer geht’s immer: Fahrschule Edelweiss

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Vor gut drei Jahren habe ich mir erlaubt, die Leuchtreklame der Fahrschule Edelweiss in Berlin Wilmersdorf auseinander zu nehmen: Schriftverbrecher. Einige Monate später hab’ ich noch mal »nachgetreten«: Ronald W. ist sauer auf uns Typografen. Fontblog-Leser reagierten vergrätzt darüber, dass ich mich verbal an kleinen Dienstleistern vergreife. Dabei wollte ich doch nur das Bewusstsein aller Beteiligten dafür schärfen, dass da noch was geht … qualitätsmäßig.

Die Botschaft scheint angekommen. Seit einigen Wochen ist die Fahrschule Edelweiss eine neue Filiale der mega Qualitäts-Fahrschulen (»4 x in Berlin«). Die Beschilderung wurde komplett ausgetauscht: Endlich keine gequetschte Bell-Centennial-Schrift mehr … dafür ganz toll viele Informationen in unser aller Lieblingsschrift Bauhaus. Besonders beeindruckend sind die versteckten Botschaften in der Beschilderungsarchitektur, zum Beispiel das Argument preisbewusst. Während der Schildermacher damals zwei unterschiedliche lange Transparente produzierte (auf Kosten der Schrift, die er einfach stauchte), ließ die mega Qualitäts-Fahrschule einen einzigen Entwurf anfertigen, der in zweifacher Ausführung gedruckt wurde. Das Duplikat sparte nicht nur Entwurfskosten, sondern verringerte auch die Herstellungskosten dank Serienproduktion. Ganz zu schweigen vom zusätzlichen Lichtgewinn und dem gesteigerten Werbeeffekt in den Abendstunden. Geht doch!

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Meine Lieblingsfahrschule in Berlin-Wilmersdorf


Versal-Eszett-Schnee von gestern [Update]

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Liebe Leute,

wir haben noch eine wichtige Nachricht aus dem letzten Jahr nachzutragen. Informierte Kreise sind vielleicht über diesen Eintrag auf typografie.info gestolpert: Font-Wiki – FF Quixo von Frank Grießhammer. In einem Community-Kommentar vom 9. Dezember 2013 hieß es dort: »Das große Eszett ist enthalten, wurde aber absichtlich sabotiert. Das zeugt von wenig Respekt des Typedesigners gegenüber den Nutzern der Schrift.«*

Was war passiert? Oppositionelle hatten das Versal-Eszett in der Schrift Quixo geschändet. Auf den Sockel des Buchstabens waren die Lettern D O O F gesprüht, was angeblich »Deutsche Oben-Ohne-Front« heißen soll.

Der Herausgeber von FF Quixo hat sofort reagiert und das Graffiti entfernt. Bereits seit dem 23. Dezember 2013 liegen die bereinigten Fontdateien auf dem Server von fontshop.com. Die bisherigen 283 Käufer der Schrift FF Quixo wurden über die neuen Daten informiert und automatisch mit Austauschdateien beliefert. Ende des Schnees von gestern … wo bleibt der von morgen?

*[Update: Der zitierte Kommentar wurde nach Erscheinen dieses Beitrags entfernt]


Agentur Amateur baut sich eine Homepage

In der von arte Creativ TV portraitierten Agentur Amateur werden die kreativen Aufgaben von Amateuren übernommen. Das von Maximilian Williams gegründete Werbebüro will für »frischen Wind in der Branche« sorgen. In der aktuellen Folge steigt das Quintett ins Internet ein … und wäre fast gescheitert, beim Versuch den ersten Tweet zu senden und ein Facebook-Profil zu erstellen. Ganz zu schweigen vom Bauen einer Homepage:


Arte-Creative-Serie: Amateure machen Werbung

AgenturAmateurDaumen

»Die Kreativebranche ist wie der Wilde Westen, da wird mit Ideen um sich geschossen …« verkündet Agenturchef Maximilian Williams zu Beginn der zweiten Folge von »Agentur Amateur«, eine Doku von Arte Creativ. Es soll ein Corporate Design entwickelt werden. In der Agentur Amateur werden alle kreativen Aufgaben von Amateuren übernommen, die für frischen Wind in der Werbebranche sorgen möchten. Die vier Neulinge jonglieren dabei mit Video, Foto, Logo, Web, Musik und Auftraggebern. Arte Creative dokumentierte die Anfangszeit der Agentur.

In der ersten Folge stellen sich die Amateure kurz vor. Der Geschäftsführer erklärt das Konzept der Agentur. Gemeinsam entwickeln sie die Firmenphilosophie «Team, Kreativ, Freiheit, Erfolg«.

In Folge 2 (»Corporate Design«) brainstormen die Amateure nach einem Slogan. Danach entwerfen sie ein Logo, zuerst auf Papier dann am Mac. Abschließend präsentieren die Amateure ihre Designs.

In der heute erschienenen Folge 3 geht es um die ENtwicklung eines Imagefilms. Dabei benutzen die Amateure zum ersten Mal eine Videokamera.

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bukowskigutentag 12/13: Prognose-Vorhersage

Heute möchte ich mich für den Wirtschaftsnobelpreis nominieren. Oder mich zumindest ins Spiel bringen, falls man sich nicht selbst nominieren darf. (Bestimmt ließe sich das in wenigen Minuten im Internet recherchieren. Da bin ich absolut zuversichtlich.) Aber zum Grund für mein Vorhaben: Es handelt sich um eine Forschungsarbeit im Bereich Prognose-Wissenschaft.

Ausgangspunkt meiner Forschung ist folgender Sachverhalt: Mit jeder Wirtschaftskrise findet sich ein Wirtschaftswissenschafter, der die Krise prognostiziert hatte. Dieser Wirtschaftswissenschaftler erhält dann vorhersagbar den Wirtschaftsnobelpreis für seine Vorhersage. So weit, so bekannt. Aber jetzt komme ich mit einer, wie Sie gleich merken werden, bahnbrechenden Arbeit ins Spiel.

Tatsächlich prognostizieren täglich tausende Wirtschaftswissenschafter auf der ganzen Welt wirtschaftliche Entwicklungen. Es werden dadurch alle überhaupt möglichen Entwicklungen in Verknüpfung mit allen möglichen Zeitpunkten vorhergesagt.

Aufgrund dieser statistischen Sachlage ist es ausgeschlossen, dass ein Ereignis eintreten kann, das niemand prognostiziert hat. Daher kann ich persönlich prognostizieren, dass auch bei der nächsten Krise jemand mit dazu passender Prognose gefunden werden wird und man sich die Aufregung über den nur auf den ersten Blick erstaunlichen Treffer schlicht sparen kann.

So, ich wäre dann so weit. Wir können zur Preisverleihung schreiten.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.


Die Ente vom Bindestrich

Als hätten die deutschen Autofahrer nicht schon genug zu leiden, unter Staus, überhöhten Benzinpreisen und europäischen Autobahngebühren … Pünktlich zur Urlaubszeit werden sie auch noch mit Lügengeschichten verängstigt. Bereits im letzten Sommer setzte die Handwerkskammer Reutlingen ein solches Gerücht in die Welt, indem sie berichtete, dass deutsche Kraftfahrer mit Euro-Kennzeichen in Italien mit Bußgeldern belegt würden, wenn in der Zulassungsbescheinigung der automatisiert eingedruckte Bindestrich noch vorhanden sei, obwohl er auf den neuen Kennzeichen fehlt. Man empfahl die kostenpflichtige Änderung der Zulassungspapiere. BILD griff diese Empfehlung auf, uns schon wurde aus der Ente ein Sommerloch-Aufreger.

In der Saison 2013 nun werden die Abzocker in Luxemburg vermutet, so zitiert jedenfalls SPIEGEL Online den Leiter der Zulassungsstelle des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Erhard Hirschberg. Um die Autofahrer zu beruhigen, habe er bereits Infoblätter in seiner Behörde aushängen lassen. Geholfen habe es nicht. »Pro Tag kommen immer noch bis zu 30 Leute in die Zulassungsstelle. Sie ziehen eine Nummer und warten, bis sie an der Reihe sind und kostenlos neue Fahrzeugpapiere bekommen – ohne den Bindestrich.«

Prima, wäre für diesen Tag das Sommerloch wieder mal gefüllt (auch im Fontblog). Natürlich entbehren alle diese jeder Grundlage. Bereits im letzten Jahr stellte das Bundesverkehrsministerium in einer offiziellen Note klar, dass auch solche Fahrzeugscheine gültig sind, in denen der Bindestrich noch drin steht.


bukowskigutentag 9/13: Das IARN-Syndrom

Am 16. Juni 2013 platzte die Bombe. Eine überregionale Zeitung brachte einen Beitrag mit diesem Aufmacher: »Im Juli soll in London das Kind von Prinz William und Herzogin Kate zur Welt kommen. Das öffentliche Interesse am royalen Nachwuchs ist groß, …«

Zwar beherrschten zu dieser Zeit die Proteste in der Türkei und Brasilien oder auch die Prism-Enthüllungen die Schlagzeilen, aber das Publikum ließ sich davon zum Glück kaum in seiner Aufmerksamkeit für dieses hochbrisante Thema ablenken. Weitere eigene Recherchen brachten das ganze Ausmaß einer bisher kaum diagnostizierten Pandemie zum Vorschein. Hier eine erschütternde Fallbeschreibung und leider kein Einzelschicksal: Norbert H., 52, selbstständiger Tischlermeister berichtet:

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Design-Trugbild: Teekessel mit Bart

Am Sonntag wurde das Foto zum ersten Mal über Reddit ins Netz gestellt, mit der amüsanten Erkenntnis: »Dieser Kessel sieht wie Hitler aus!« Als der britische Schauspieler und Autor Stephen Fry kurz darauf das Bild zitierte und an seine 5,8 Millionen Follower twitterte, gab es keinen Halt mehr. Seitdem reden alle über den Kessel, der wie eine Karikatur des deutschen Diktators aussieht.


Angeboten wird das Küchengerät von der US-amerikanischen Einzelhandelskette J. C. Penney, die den Kessel auch online vertreibt. Er ist Teil einer gerade lancierten Exclusive Michael Graves Design Collection, die aus rund 300 Produkten besteht.

Der Architekt Michael Graves, geboren 1934 in Indianapolis, wurde zunächst für seine Entwürfe prachtvoller Privathäuser bekannt. Ende der 1980er Jahre vollzog Graves einen radikalen Stilwandel, indem er sich von der strengen und klaren Struktur seiner Gebäude verabschiedete und Tiergestalten als Gestaltungselemente einsetze. Auf ähnliche Weise entwarf er eine große Zahl von Alltagsgegenständen wie Gewürzmühlen, Geschirr, aber auch Sessel und Stühle, die weithin bekannt sind. Der italienische Küchenausstatter Alessi machte den 1985 von Michael Graves entworfenen Kessel 9093 zum Designklassiker. Auffälligstes Merkmal ist eine Vogel-Figur am Ausguss, die bei kochendem Wasser den Pfeifton erzeugt. So was fand man witzig in den 1990er Jahren.

Der nun für J. C. Penney vom der Michael Graves Design Group entworfene »Bells and Whistles Stainless Steel Tea Kettle« (dt: rostfreier Schnickschnack-Teekessel) greift den Klassiker auf, um nicht zu sagen: er kopiert ihn … eine Eigenkopie, mit kleinen Änderungen. Nur blöd, wenn man, berauscht vom jahrzehntelangen Erfolg, nicht mehr so genau hinsieht. Die übergestülpten Änderungen verstoßen nicht nur gegen das Design-Grundprinzip »Form follows function« (das wäre nicht weiter schädlich), sondern auch gegen den Grundsatz »Less is more«. Dummerweise ergab das Mehr in diesem Fall eine unglückliche Assoziation, über die sich nun die ganze Welt lustig macht. Allen voran die britische Boulevardpresse: Weltkriegsgebräu …

J. C. Penney kämpft seit längerem mit wirtschaftlichen Problemen. Die Kunden lassen sich nicht mehr mit den ewig gleichen Rabatt-Angeboten in die Filialen locken. Eine neue Strategie, zu der auch die Designprodukte von Michael Graves gehören, verprellte die Altkunden und sorgte für 25 % Umsatzeinbußen und Entlassungen. Der Rummel um den missverständlichen Kessel wird daran nicht viel ändern. Neue Kunden mit entsprechender Weltanschauung wird er auch nicht bringen, denn für die echten Irren gibt es schon seit langem eine Teekanne im Steingut-Design …