Fontblog Schriftgeschichten

Familienzuwachs: Lukas Schneider & FF Utility

Wie wirkt die Erweiterung einer Schriftfamilie sich auf das Gesamtkonzept aus? Sind Familien je ausgewachsen?  FF Utility, 2002 als Diplomarbeitsprojekt begonnen, erhielt kürzlich zwei neue Light-Schnitte – und eine komplette Überarbeitung. Zu den Hintergründen haben wir mit Lukas Schneider gesprochen.

Eine Schrift zu gestalten war für Designer Lukas Schneider schon deshalb naheliegend, weil man während des Studiums „ständig mit Schrift hantiert“ – und er im Rahmen seiner Diplomarbeit kostbare sechs Monate Zeit hatte. Zudem fand Lukas („Das war wie eine Erleuchtung für mich!“) am Schwarzen Brett einen Aushang von Linotype: Akira Kobayashi suchte eine studentische Aushilfskraft („Ich hab den Zettel sofort abgerissen, damit ihn kein anderer sieht“). So profitierte Lukas von Supervision bei der Entwicklung der FF Utility – oder damals noch ihrer Urform namens Gazoline. Die lag nach dem Diplom allerdings „erstmal ewig rum“ …

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FontFont veröffentlichte die Ur-FF-Utility-Familie mit fünf Fonts 2008. Im letzten Monat kamen die Erweiterungen Thin und Extra Light hinzu.  

Wie die weitere Entwicklung der FF Utility verlief, beschreibt Lukas so:

Lukas, war der Name Programm?

Nicht ursprünglich. Beim Gestalten dachte ich an 50er-Jahre-Schriften an Tankstellen in den USA und hatte Gazoline im Sinn; das fand ich kraftvoll – ging aber nicht, gab es schon. Es gab Namensvorschläge von Stephen Coles (soweit ich mich erinnern kann), – Utility fand ich am passendsten. Irgendwann sieht man das pragmatisch. Zudem hatte sich die Ästhetik der Schrift im Gestaltungsprozess geändert.

Warum kommt jetzt die Erweiterung? Was war deine Motivation?

Die Erweiterung, oder die Idee zur Erweiterung, war schon da, bevor die FF Utility mit fünf Schnitten 2008 als FontFont herauskam.

Das klingt, als hätte FontFont gedrängelt?

Ja, schon (lacht leise)… Zum Beispiel möchte das FF-Type-Department immer vier Ziffernsätze. Die haben wir für fünf Ur-Schnitte gemacht von Light bis Black. Damals dachte ich schon, es wäre schön, etwas noch Leichteres für große Headlines zu haben. Oder eine Condensed. Schon 2008  habe ich erste Versuche gemacht – nebenher – dann lagen die Sachen eine Weile rum – und jetzt war es einfach an der Zeit.

Inzwischen konzentriere ich mich mehr auf Schrift (Lukas Schneider resümiert).

Weil ich für mich gelernt habe, ohne Konzentration wird es nichts.

Die Entwürfe liegen sonst zu lange herum und man hinterfragt Details ständig neu. Anfang des Jahres habe ich mir gesagt, jetzt ziehst du das durch. FontFont freuen sich ja auch immer, Ivo fragt: „Gibt’s denn auch mal Italics?“ Jetzt haben wir zwei neue leichte Schnitte gemacht, bzw. einen ganz dünnen Master, die Thin, und dann eine Interpolation, die Extra Light.“

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Die Gesamtheit aller Schriftschnitte muss stimmen, einer einheitlichen Formensprache folgen. Also überarbeitete Lukas Schneider anlässlich der Neuzugänge die Ur-Familie gleich mit.

Der Prozess hielt konzeptionelle Überraschungen bereit: Es war nicht so einfach wie anfangs gedacht. Diese zwei leichten Schnitte waren von mir damals nicht eingeplant. Das heißt, wenn ich sie genau nach Plan durchgezogen hätte, wären die Proportionen im Gesamtbild nicht wirklich harmonisch gewesen.Das hat dazu geführt, dass ich dann doch auch die Proportionen der alten Schnitte überarbeitet habe, was vorher eigentlich nicht so geplant war.

Ich dachte anfangs, die alten Schnitte packst du einfach gar nicht an (lacht leise):

Man sieht Sachen, die man vorher nicht gesehen hat. Das will man dann einfach nicht so stehen lassen wie es war.

Ich finde die Schriftfamilie ist durch die Anpassungen moderner geworden und durch die Erweiterung des Zeichensatzes durch SmallCaps beispielsweise auch vielseitiger einsetzbar.“

Lukas, warum eigentlich keine Kursive?

Ich weiß, es gab Rezensionen zur FF Utility; einige meinten, dass es keine Kursive braucht und Auszeichnung auch anders geht. Jetzt geht das ja auch mit Small Caps. Ganz ehrlich – für mich war das damals zu viel Arbeit. FF Utility ist mein allererstes Schriftprojekt und so nicht geplant. Im Grunde wäre es schon gut, Kursive zu haben …

Gibt es einen Trend, auf Kursive zu verzichten?

Das sehe ich nicht so.

Selbst aktuelle Monospace-Schriften haben Italics.

Wenn ich mich so umschaue, sehe ich keinen Trend darin – Gottseidank. Die FF Utility gibt das gestalterisch her. Prinzipiell bin ich auch sehr kritisch wenn es um die eigene Arbeit geht und die Überarbeitung der FF Utility hat mir bereits viel Zeit geraubt, also nicht ,geraubt‘, sondern mich Zeit gekostet. Heute erwarten ja viele von einer Schrift, dass sie mindestens 16 Schnitte hat. Ich denke aber, weniger ist manchmal mehr und ich finde es durchaus legitim einfach erstmal die Geradestehenden zu veröffentlichen und dann weiter zu schauen.

Meine Schlussfolgerung: Die Familienplanung damals war vielleicht unbedarft.

In Zukunft würde ich auch die Italics mitplanen.

Es wäre besser, parallel zu planen oder alles zumindest ansatzweise mitzudenken, mitzuskizzieren. Es ist für mich schwierig, über eine – oder vielleicht speziell diese – Schrift zu sprechen.

Die FF Utility war sein Schneiders Einstieg. „Ohne inhaltliche Hintergedanken“ sei er damals an die Schriftgestaltung herangegangen, ohne an bestimmte Anwendungsbereiche zu denken – „frei Schnauze“. Trotzdem, oder vielleicht deshalb, trägt seine FF Utility ihren Namen selbstbewusst und ganz zu Recht und voller Würde.

Lukas_Schneider_Interview

Zeichnen, drucken, korrigieren, zeichnen drucken korrigieren … Lukas Freizeitaktivitäten haben bis zum Release der neuen FF Utility Schnitte immens abgenommen. Das wird jetzt anders. Oder kommen doch Italics? 

Und was macht Lukas Schneider, wenn er mal nichts Nützliches tut? Für ihn offenbar die schockierendste aller Fragen: „Oh je. In letzter Zeit … oh je … das hat ganz schön abgenommen. Fahrrad fahren, also bißchen intensiviert, Rennrad, aber … mmh … das ist immer echt schwierig.“ Ich bin mir nicht sicher, meint er „immer“ diese Fragen oder „immer“ diese Freizeit, und möchte ihn nicht länger quälen – da kommt ein entschiedener Nachsatz: „Ich bastele gerne. Sachen vom Sperrmüll aufmöbeln, eine Designer-Couch zum Beispiel – einen alten Plotter habe ich umgebaut. Und sonst, ja … nee. Also es hat schon ziemlich viel mit Schrift zu tun. Man rennt mit offenen Augen rum, fotografiert, sammelt“.

Wir freuen uns, wenn er weiterbastelt – auch an der FF Utility.

Lieben Dank für das Interview, Lukas! Das Interview führte Sonja Knecht .


FF Mister K. Station 2014: OpenType Webfont

Seit Kafka sie schrieb und seit ihrer Veröffentlichung als FontFont im Dezember 2008, reist die FF Mister K Familie der finnischen Schriftgestalterin und Philologin Julia Sysmäläinen umher

Ihr Ursprung: Die Prager Tagebücher des Schriftstellers Franz Kafka (1883–1924) ab 1914. Als die Nationalsozialisten 1939 in Prag einmarschieren, rettet Max Brod Kafkas literarische Aufzeichnungen und mit ihnen Kafkas Handschrift, Station:  Tel Aviv. 55 Jahre später werden Kafkas Tage- und Notizbücher, ihrem Format nach auch Quarthefte genannt, in Frankfurt erstmals digitalisiert. 2004 beginnt eine neue Digitalisierung, 2007 die Umwandlung in in Outlines, Station: Berlin. 2010 reist FF Mister K. mit der Ausstellung Travelling Letters nach Lahti, Finnland.FF-Mister-K-Web-OT-Feat-Screen_DEEndlich auf dem Bildschirm wie im Druck verfügbar: FontFont veröffentlicht die FF Mister K. Familie von Julia Sysmäläinen als Webfont mit umfangreichen OpenType-Features

Formal gehört FF Mister K. zur Gruppe der Schreibschriften oder Script-Fonts. Wie Kafkas Handschrift kennzeichnet Sysmäläinens Mister K. die eigenständige und vielfältige, aber gleichzeitig gut lesbare Formensprache. Der Name Mister K. nimmt die Namen der Hauptfiguren der Romane Der Prozess und Das Schloß auf.

Die aktuelle Station auf der Reise von Mister K. ist das Web. Erst seit Kurzem ist es möglich Script-Fonts mit komplexen OpenType-Features auch als Webfont einzusetzen. Alle Browser (ausser Safari) unterstützen jetzt zum Beispiel Contextual Alternates, wie den Einsatz des „langen S“. Die OpenType Features von FF Mister K. können auf FontShop.com betrachtet werden.

FF Mister K. Sheep_spread

Die Originalhandschrift aus einem Quartheft von Franz Kafka und Julia Sysmäläinens digitalisierte Form. Aus Stop Stealing Sheep, 3. Auflage (2013), Erik Spiekermann, Adobe Press.

Wie die OpenType Layout Features bei Web FontFonts aussehen und welches Kommando welches Feature aktiviert, zeigt die Web FontFont Microsite. Wie der Printer-Font, besteht auch der Webfont aus inzwischen sieben Mister-K.-Schriftschnitten Splendid Light, Dingbats, Splendid, Regular, Onstage, Informal, Crossout und Dingbats UI.

Während der Regular Font den Fluss einer weitgehend verbundenen Handschrift digital simuliert weist Onstage verstärkt kalligraphische Züge mit überwiegend allein stehenden Zeichen auf. Crossout schließlich enthält den gesamten Zeichensatz in nach Kafkascher Manier akribisch durchgestrichener Form. Die Schriftschnitte werden durch Mister K Dingbats ergänzt, einem Satz von 600 Piktogrammen, in der Form dem Regular-Font angepasst.

FF Mister K bei FScom

Direkt auf den Bildschirm kann der FF Mister K. Webfont ausprobiert werden und wandelt sich, je nach geschriebenem Zeichen in den passenden Anschlussbuchstaben um

Die FF Mister K. OpenType Features ermöglichen vielfältige kontextbezogene Substitutionen und hauchen dem Zeichenfluss variationsreiches Leben ein, indem im Wort- und Satzbild Formwiederholungen vermieden werden. Diese Features sorgen für authentisches Handschrift-Verhalten:

Standard Ligatures: Substituieren Zeichenfolgen durch zwei, drei oder vier Zeichen verbindende Ligaturen und erzeugen verbundene Worteinheiten mittels alternativer Zeichen für hohe, mittlere und tiefe Verbindungen

Contextual Alternates: sorgen für Unterstreich- und Durchstreichoptionen, sowie dekorative Endformen

Stylistic Sets: generieren vereinfachte, nicht verbundene Zeichensätze für Abkürzungen, Akronyme und Formeln

Discretionary Ligatures: ersetzen Wörter mit zugeordneten Piktogrammen.

Für FF Mister K. empfing Julia Sysmäläinen ein Certificate of Excellence in Type Design bei der international Modern Cyrillic 09 Competition in Moskau und einen Premier Award der International Society of TypoGrafikdesign Competition in London.


Gut gelaunt: Christmas Icons von LiebeFonts

Hohoho! Spätestens heute, nach dem ersten Adventswochenende, steht Weihnachten unausweichlich vor der Tür. Und passend für alles, was auf den letzten Drücker weihnachtlich und charmant bebildert werden muss, unser der Woche: LiebeChristmas Icons.

LiebeFonts die Berliner Font-Manufaktur von Ulrike Rausch räumt dem Handwerk im Gestaltungsprozess viel mehr Platz ein. Ergebnis sind kalligrafisch inspirierte Lettering Fonts und Dingbats.

LiebeChristmas_Socken

Nur für kurze Zeit erhalten die feierlichen Dingbats einen Endjahres-Rabatt von 25% und kosten als OT- oder Webfont je 11,20 Euro (zzgl. MwSt.).

Hier geht es zu den Christmals Icons …


Jubiläum – FF Scala von Martin Majoor wird 25

FontShop: FF Scala Jewel Er brachte die Buchschrift-Tradition mit der Welt der digitalisierten Schriften in Einklang: Martin Majoor. Seine FF Scala Familie wurde in dieser Woche 25 Jahre alt. Wir gratulieren!

Martin Majoor erinnert sich: »Dank der Möglichkeiten der neuen digitalen Design-Technologien genoss ich bei der Gestaltung von Scala große Freiheit und konnte ein verbindendes Konzept für Serif- und [1993] die Sans-Version entwickeln. Viele der allgemein akzeptierten Ideen erscheinen mir nicht logisch. Als unabhängiger Designer war ich zum Glück nicht verpflichtet, ihnen zu folgen.« 

FF-Scala-Oneliner

Obwohl sichtbar durch Elemente ihrer Antiqua-Vorgänger beeinflusst, ist es FF Scala gelungen, ihren unverwechselbaren Stil zu finden

Benannt nach der Mailänder Scala aus dem späten 18. Jahrhundert  wurde FF Scala ursprünglich für das Corporate Design des Vredenburg-Konzertgebäudes in Utrecht entworfen. Auch gestalterisch reichen die Scala-Wurzeln zurück zu den frühen vertikal-betonten Schriften des französischen Typografen Pierre Simon Fournier, der 1737 den Punkt als Einheit für die Schriftgröße eingeführt hatte, und der sich an der humanistischen Form von Bembo orientierte.

In den späten 80er Jahren, als die ersten Scala-Schnitte entstanden, schlug das Pendel typografischer Trends gerade in das andere Extrem: »The Grafic Language of Neville Brody« war 1988 erschienen und hatte die Welt der Gestaltung revolutioniert

FontShop: FUSE 1: 'State', poster and fonts by Neville BrodyDas neue Schriftenhaus, das Erik Spiekermann mit Neville Brody gründete, sollte typografische Grenzen ausloten und biegen, um eine moderne, digitale Schriften-Bibliothek aufzubauen: Schriften verschiedenster Stile und für unterschiedlichste Zwecke – zeitgenössisch, experimentell, unorthodox und radikal.

←Scala-Zeitgenosse: Poster aus FUSE 1 ‘State’, Neville Brody (Hrsg.), 1991, zur FUSE-Anthologie …

Die FontFont-Bibliothek entstand. Ausgerechnet Martin Major stieß hinzu. Dem FontFont-Schriftenzauber setzte er seine Buchschrift entgegen, die sich an der 500-jährigen Tradition der Renaissance Antiqua orientierte. Elegante Lettern mit hoher Wiedererkennbarkeit und belastbarer Satz kennzeichnen die FF Scala Schriftart und machte sie zu einem der bis heute beliebtesten FontFonts.

FontShop: FF Scala EntwicklungEntwicklung der FF Scala aus der Renaissance-Bembo über die Form von Fournier aus dem 18. Jahrhundert bis zur FF Scala von 1990

Scala bedeutet auch »Spektrum«, ein weiteres Merkmal der FF Scala, die als eine der ersten Sippen dem Serif-Stamm eine Sans-Familie mit identischen Laufeigenschaften hinzufügt.

Von Light bis Black, der förmlichen bis zur dekorativen Typografie, bauen alle FF Scala-Schnitte auf dem gleichen Formprinzip auf.

Aus der Serif-Version entstand durch das Abtrennen der Endstriche und aufwändiges Anpassen des Kontrasts die Form der Sans-Variante. Die »Knochengerüste« beider Schriften sind absolut identisch, so dass sie sich wunderbar kombiniert einsetzen lassen.

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Als eine der ersten Schriftenfamilien erhielt die FF Scala einen korrespondierenden Sans-Vertreter, der perfekt mit den Serif-Verandten harmoniert, ohne die Harmonie des Textes zu beeinträchtigen

Die ausgerprägten Serifen wurden ursprünglich für den zackenfreien 300 dpi Laser-Ausdruck entwickelt. Auch kräftige Konturen und geringer Kontrast verhindern das Aufbrechen dünner Teile.

Robust meistert FF Scala schwierige Satzumgebungen wie den Druck auf minderwertigem Papier.

Aus dem gleichen Grund hat auch der Kursiv-Schnitt starke Serifen, die der Scala Italic einen eigenen »Klang« verleihen.

Der ausgefeilten Konstruktion der Zeichen fügte Martin Majoor einen enormen Zeichenvorrat hinzu, der großen Zeichenumfang des OpenType-Formats vorweg nahm. So verfügt FF Scala über vier Ziffernarten: Versalziffern für Tabellen, proportionale Versalziffern, Mediävalziffern für Tabellen und proportionale Mediävalziffern. Ziffern, Ligaturen, bedingte Ligaturen, Ordinalzeichen und Hochstellungen lassen sich heute komfortabel über das OpenType-Menü steuern.

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Eine traditionelle Antiqua und die perfekt harmonierende Sans-Variante: Die Scala-Familie bereichert die FontFont-Bibliothek um einen Buchsatz-Klassiker

Weitere Zeichen – die die Scala zu einer zeitgemäßen Schrift für alle gestalterischen Lebenslagen machen – sind Sterne, Rahmenelemente und geometrische Formen, mit denen man Formulare bauen kann oder die in einer Präsentation als Aufzählpunkt (Bullet) dienen. Eine Kuriosität sind rund 40 Zeigehände, die zu PostScript-Zeiten als separater Font angeboten wurden. Seit der OpenType-Ära gehören sie zum Schnitt FF Scala Sans Regular. Zum Auswählen bzw. Aufrufen einer bestimmten Zeigehand leistet in Adobes InDesign das »Glyphen«-Fenster im Schriftmenü beste Dienste.

FontShop: FontFont-Focus No. 1 FF Scala

FF Scala-Pakete: Alle sechzehn Schriftschnitte der Scala-Familie finden sich im  FF Scala OT Complete Suite Paket oder mit erweitertem Zeichenvorrat mit Fremdsprachen-Unterstützung in der FF Scala Pro Complete Suite. Weitere Pakete mit Grundschnitten oder Webfonts zeigt die FF Scala-Übersichtsseite.

Eine ausführliche Übersicht bietet die FF Scala FontFont Focus Broschüre (5,1 MB, 50 Seiten).

Scalas Lesbarkeit, ihr Konstruktionsprinzip und ihr Zeichenumfang machen sie zu einer belibten Satzschrift für Bücher und Zeitschriften, mühelos gelingen ihr Corporate-Aufgaben und sie ist sogar als Leitsystem (für die Metro in Los Angeles) im Einsatz. Im Schriftenranking der 100 besten Schriften aller Zeiten belegt FF Scala Platz 34.

FF Scala_handshake–M. Majoor

 

Über den Entwerfer: Seit Mitte der 1980er Jahre entwirft Martin Majoor Schriften. Nach einem studentischen Praktikum bei URW in Hamburg wechselte er 1986 als typografischer Gestalter in die F&E-Abteilung von Océ-Netherlands. Ab 1988 arbeitete er als Grafikdesigner für das Vredenburg Music Centre in Utrecht, für das er die Schrift Scala für CI-Material entwarf. Zwei Jahre später veröffentlichte FontShop International FF Scala als erste Textschrift in der neu gegründeten FontFont-Library.

1994 übernahm Majoor die typografische Gestaltung des holländischen Telefonbuchs. Er entwarf eigens eine neue Schrift: Telefont. 2000 folgten FF Seria und FF Seria Sans, 2004 FF Nexus in den Versionen Sans, Serif, Mix und Typewriter.


Mit Schriften Geld verdienen? Das geht.

HVD-Fonts-CoverHannes von Döhren weiß wie man’s macht. Er entwirft Schriften, vertreibt Schriften, managed Schriften und administriert Schriften. Seine Entwürfe erfreuen sich in Web- und Print- Publikationen großer Beliebtheit. Brandon Grotesk ist Headlinefont von Wired Online oder Textfont in Skype Kampagnen. Pluto ziert das Elle Decor Magazin und das Computer Arts Magazin.

Hannes gehört zu den »Charakterdarstellern« einer jungen Generation von Schriftenentwerfern, wie Jan Middendorp im Vorwort zu Hannes von Döhrens gerade erschienenem HVD Fonts Type Book beschreibt. Er meistert die zwei so unterschiedlichen wie wesentlichen Disziplinen Entwurf und Vermarktung.

Eine Schrift,  die überzeugen (und gekauft werden) will, so Middendorp, muss heute mehr sein als eine Sammlung smarter Ideen und ansehnlicher Glyphen. Ihr einziges Ziel, als Schrift ein nützliches Werkzeug, zu werden, fußt auf der Fähigkeit typografische Lücken auszumachen und der Fertigkeit diese zu schließen.

Ein weiteres Pfund ist Hannes von Döhrens Produktivität, seine Besessenheit die Familien, die er entwirft Schnitt für Schnitt anwachsen zu lassen und die Begeisterung, zu beobachten, wie der Zuwachs Form annimmt, »sich rundet«, wie er es beschreibt.

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So ist HVD Fonts Type Book zunächst eine Übersicht der auf inzwischen 358 Fonts angewachsenen HVD Schriftenbibliothek: 130 Seiten umfasst der Katalog der Text-Schriften, 100 weitere Seiten zeigen von Döhrens Display-Fonts. 

Der Schriftenkatalog findet sich eingebettet in die Kapitel zur zweiten wesentlichen Disziplin des Schriftenentwerfens: der Schriftenvermarktung. Wie Erik Spiekermann in seinem Intro launig bemerkt:

Allein in Berlin gibt es inzwischen mehr Schriftenentwerfer als Polizisten.

Jenseits aller typografische Trends und Stilfragen bricht Hannes sein Rezept für den Erfolg als Schriftenentwerfer, Schriftvermarkter und Foundry in handliche Tipps auf. 10 steps to become a type designer enthält die Essenz der gesammelten Versuch-und-Irrtum-Erfahrungen in einer Liste, angefangen bei »Find an Idea«, über »Type Foundry vs. Self Publishing« bis »Action on the web«.

Schließlich erhält jeder Käufer des Buchs eine Font-Kostprobe der HVD Fonts Bestseller. Pluto Medium, Brandon Groteque Thin, Supria Sans Bold Italic, Niveau Grotesk Regular und Niveau Serif Medium Small Caps können mithilfe des personalisierten Codes auf der letzten Seite kostenlos heruntergeladen werden.

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Wir verlosen unser Rezensionsexemplar. Da es Zeit für Weihnachtskarten ist: Welche Schrift kommt dieses Jahr auf die Karte? Und warum? Stichtag ist Montag, der 24. November, 12:00 Uhr Mittag. Mehr über Hannes von Döhren: im Fontblog-Interview, das wir führten, als seine Foundry HVD Fonts in das FontShop-Angebot aufgenommen wurde.

Hannes von Döhren: Every Day I Draw at Least One Letter. The HVD Fonts TYPE BOOK | Text englisch, 296 Seiten, davon 24 Seiten auf Zeitungspapier mit 31 Font-Familien mit insgesamt 358 Einzelfonts, Format 17 x 24 cm, inklusive 5 Fonts im Wert über 70 Euro zur freien Nutzung | 39,80 € – beim Verlag Hermann Schmidt Mainz bestellen.

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Fotos: Cover ©Verlag Hermann Schmidt Mainz, Innenseiten © Hannes von Döhren


Texta – Sans-Allrounder von Latinotype

Zeitgemäß, offen und vielseitig präsentiert sich die Texta Familie. Die Schriftschnitte Thin, Light, Book, Regular, Medium, Bold, Heavy, Black, und jeweils passende Kursive, stemmen ein Vielzahl typografischer Aufgaben. Modell für die Familie standen die humanistischen Sans Familien von Adrian Frutiger und Edward Johnston. Zusätzlich flossen bei der Gestaltung der Versalien Schriften von Beschilderungen ein.

Texta-Poster FontShop

Macht eine gute Figur in den unterschiedlichen Gestaltungsräumen: Texta Sans eignet sich für Texte und Headlines ebenso wie für Displays, Poster und Verpackungen

Latinotypes Daniel Hernández Sánchez & Miguel Hernández Montoya konzentrierten sich beim Entwurf der serifenlosen Brotschrift auf den Kontrast aus rationaler Formenstrenge der Zeichen und der Dikten der Schriftschnitte. Dazu entwarfen sie einen Alternate-Font, der einer monotonen Anmutung entgegenwirkt und der für jeden Schriftschnitt geometrische Alternativen bereit hält. Wie bei allen Schriften von Latinotype sorgen auch bei Texta ausgefeilte Details für Charakter. 

Texta-Alternates FontShopClou der Texta-Familie sind die Alternate-Schnitte, die Kleinbuchstaben, zum Beispiel ‚a‘ ‚g‘, oder ‚y‘ mit ihren geometrischen Gegenstücken darstellen

Das Texta-Komplett-Paket ist unser ★ der Woche: Für kurze Zeit können wir das Paket mit 32 Fonts für 14,64 statt 183 Euro anbieten.

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Der Preis versteht sich zzgl. MwSt., Preisänderungen vorbehalten.

 


Typofolio – Fonts mit Leidenschaft aus Amazonien

Typefolio LogoMarconi Gomes Lima strebt nach Perfektion. Zwei Kriterien kennzeichnen seine Entwürfe. Lima feilt und tüftelt sowohl zeichnerisch als auch technisch auf hohem Niveau.

Limas Schriften gemein ist die begeisterte Besessenheit mit der ihr Schöpfer seiner Profession nachgeht: ausgefallene Konzepte, sorgfältige Formgebung, balancierte Kontraste und nicht zuletzt ein prall gefüllter Zeichenvorrat. Als der Woche bieten wir für kurze Zeit alle Schriften von Typefolio mit einem Rabatt von 30% an.

Zu den Schriften: Zwei Entwurfsmodelle verbinden Madre Script, die Konstanz der Form zum Einen, zum Anderen die Freiheit der Schreibschrift. Dazwischen bewegt sich mit vielfältigen Zeichenverbindungen und raffinierten, sehr senkrechten Schwüngen die vielseitige Madre-Schreibschrift im Print- und Web-Format. Die OpenType-Feature Menüs ‘Contextual Alternates – calt’ und  ‘Ligatures – liga’ sorgen für die präzise Steuerung von Alternativ-Zeichen und Verbindungen.  

Madre-Script FontShop

Madre Script ist ein ein technisch ausgeklügelter und gut gelaunter Script-Allrounder für alle gestalterischen Situationen, die nach Persönlichckeit, Charme und Wärme verlangen: Verpackungen, Anzeigen, Branding, Headlines …

Adriane ist eine Sippe. Von Sippen statt von Familien reden wir, wenn ein Schriftsystem mehrere Schriftklassen abdeckt. Die Kernfamilie mit den vier Grundschnitten Regular und Bold, sowie passenden Kursiven entstand von 2006 bis 2007. Als Textfamilie mit hoher X-Achse für optimale Lesbarkeit ausgerichtet, überrascht sie mit ausgefallenen Details. 

Wie alle Fonts von Marconi Lima überzeugt Adriane Text mit einem enormen Zeichenvorrat aus Small Caps, vier Ziffernsätzen (Tabellen- und Proportional- Ziffern, je mediäval und versal), zahlreiche Ligaturen für verschiedene Buchstaben-Kombinationen und zusätzlich Ornamente, Dingbats und Ampersands.  

Adriane-Text FontShop

Adriane Text, gezeichnet für den Mengensatz, bleibt auch in kleinen Größen bestens lesbar. Der Fluss der Kursiven setzt einen zusätzlichen Akzent.

Adriane Swash ist ist der schwungvolle Display-Vertreter der Sippe. Basierend auf der Formensprache der Text-Familie, verhilft sie Überschriften und Auszeichnungstexten zu einem klassisch-glamorösen Auftritt. der Swash-Schnitt enthält Versalien, Small Caps und Minuskeln. Die Schwungbuchstaben werden im OpenType-Menü aktiviert. Dort können auch Initale, Mittel- und Abschluss-Zeichen angewälht werden, sowie eine große Palette zusätzlicher Zeichen, wie Alternates, Ornamente und fremdsprachige Zeichen.

Adriane-Script FontShopAdriane Swash enthält über 200 Schwungbuchstaben und ist mit insgesamt über 1000 Glyphen so luxuriös ausgestattet, dass dekorative Elemente mit viel Prunk versehen werden können

Adriane Lux rundet die Adriana-Sippe ab. Als zweiter Titling-Kompagnion, sorgt der Inline-Font für traditionelle Display-Auftritte. Auf Postern oder Verpackungen, in Anzeigen oder Broschüren – Adriane Lux greift die Antiqua-Form traditionellen Gravurschriften des 19. Jahrhunderts auf und führt sie mit ultra-moderner OpenType-Technologie zu neuer Blüte. Auch was den Zeichenvorrat angeht, schöpft Adriane Lux aus dem Vollen: Über 700 Glyphen enthalten Ligaturen, Alternates, Ornamente und Akzentbuschaben für alle gestalterischen Lebenslagen.

Adriane-Lux-FontShop

Mit Adriane Lux erhält die Adriane Sippe einen Gravur-Vertreter, der für Branding- oder Labeling- Aufgaben Akzente setzt. Tradition spricht aus der Inline-Antiqua, Moderne aus der Technik, auf der sie basiert.

Petala hat eine eigene, eine lange Geschichte: Fast 10 Jahre lagen zwischen den ersten Zeichnungen und der Veröffentlichung der Großfamilie 2013. Kaum eine Glyphe wurde nicht mehrfach umgezeichnet. Die Neo-humanistische Grotesk umfasst neun Schriftschnitten von Thin bis Black und passende Kursive. Petala verfügt über eine ausgezeichnete Lesbarkeit, kombiniert mit einer starken Persönlichkeit.

FontShop Petala

Auch langen Texten verleiht Petala ruhige – nie ermüdende – Harmonie. Fast 1000 Glyphen beleben den Satz zusätzlich mit Ligaturen, Alternates, Akzentzeichen, Ziffern und Symbolen.

Tintenfallen (Ink Traps), zum Beispiel bei ‚M‘, ‚N‘, ‚A‘ und ‚t‘ verhindern das Zulaufen der Buchstaben in ungünstigen Druckumgebungen. Mit Effizienz und Persönlichkeit vermittelt Petala Pro ihre Botschaft in anspruchsvollen Satz-Umgebungen wie Editorial- oder Corporate- Projekten. Mehr über die Petala-Familie enthält der Fontblog-Beitrag zu Petalas Veröffentlichung.

Über Marconi Gomes Lima
In Macapá-Amapá  am Amazonas-Delta lebt und arbeitet Marconi Gomes Lima als Art Direktor und Grafikdesigner. Er liebt die neuen Medien, das Internet, den ständigen Zugriff auf Font-Editing-Software, die schnelle Greifbarkeit der Fachliteratur und den permanenten Austausch mit einer Community, die Font-besessen ist. In dieser Umgebung ist es sein ultimatives Ziel „Schriften zu entwerfen, deren Botschaft inspiriert, und Buchstaben, die spüren lassen, welchen Wert sie haben.“

Typefolio Pakete bei FontShop

• Madre Script OT oder Web | Einzelschnitt | je 13,30 Euro statt 19 Euro
• Adriane Text OT oder Web | je 4 Fonts | Normal und Bold, Kursive 81,90 statt 117 Euro
• Adriane Swash OT oder Web | Einzelschnitt | je 30,10 Euro statt 43 Euro
• Adriane Lux OT oder Web | Einzelschnitt | je  25,20 Euro statt 36 Euro
• Petala Pro OT oder Web | je 18 Fonts | Thin bis Black, Kursive, 133 Euro statt 190 Euro
• Petala Pro OT oder Web | Einzelschnitt | je 19,60 Euro statt 28 Euro


Alle Preise zzgl. MwSt. Änderungen vorbehalten.


Trola Text-Font für Zeitungen und Magazine

Trola und Trola Text TsIn internationalen Magazinen begegnet man ihr immer häufiger: der Trola Font Familie des katalanischen Schriftenentwerfers Jordi Embodas. Fünf Headline-Fonts und passende Kursive sorgen für Überschriften mit Charakter, die auch großen Texten auf engem Raum viele Zeichen gestatten.

Trola erhällt nun Text-Verstärkung. Embodas nahm an den Buchstabenformen und der Spationierung umfangreiche Anpassungen vor, die die Familie für den Fließtext optimieren.

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Für Headlines auf Umschlag und Innenseiten wählte das Stadtmagazin von Barcelone die Trola-Familie, Quelle: tipografies, lamosca.

Die Entwerfer beschränkten sich beim Umbau zur Textschrift nicht auf klassischen Brottext, sondern betrachteten Lesbarkeitskriterien ebenso für Textblöcke, Medien in Bewegung und Bildschirmeigenschaften.

Gemeinsam mit Noe Blanco feilte Embodas unermüdlich an Glyphenformen und Buchstabenabständen. Besonderes Augenmark galt dabei, nie den besonderen Trola-Charme und die Gutmütigkeit des Originals aus den Augen zu verlieren.

Trola-und-Text

Wo Trola als Headline Familie Raum spart, bekommt Trola Text größere Buchstaben-Zwischeräume um die Lesbarkeit im Fließtext auch in kleinen Punktgrößen zu verbessern

Als klar und knackig mit erhöhtem Kontrast fasst Jordi Embodas die Veränderungen, die er an den Glyphenformen vornahm, zusammen. Die Proportionen in Trola Text erweiterte er, besonders bei den Versalien. Die Serifen erhielten einfacherere Formen, die ihre Robustheit im Fließtext erhöht. Durch großzügiges Spacing und erweiterte Buchstabenöffnungen tritt der Weißraum in den Vordergrund.

Jede einzelne der über 700 Glyphen von Trola Text erhielt engere Kurven zur Erhöhung der Spannung, dazu ausgestelltere Diagonalen und – eine Prise Wärme. Um die Lesegeschwindigkeit zu unterstützen, neigen sich die Minuskeln einen Hauch nach rechts.

Trola-und-Trola-Text-Layout

Verbinden sich harmonisch im editorial Layout: Trola und Trola Text 

Weitere Features, die Trola Text für die Verwendung in Zeitungen, Zeitschriften, Geschäftsberichten und allen anspruchsvollen Drucksachen auszeichnet: Mediävalziffern (OSF) für Texte und Tabellen, Versalziffern (Lining) für Texte und Tabellen, Super- und Sub- Scripts und Oridinalzeichen. Vorhanden sind auch alle Akzentzeichen für den osteuropäischen Sprachraum (außer kyrillisch und griechisch). 

Das 34-seitige Trola-Text-PDF-Dokument (739 kB) zeigt Schriftmuster und Leseproben aller acht Schriftschnitte von Light bis Heavy.

 

Über Jordi Embodas

Als Grafiker und Schriftentwerfer lebt, lehrt und arbeitet Jordi Embodas in Barcelona. Mit seinen typografischen Arbeiten erlangte er in den letzten Jahren über Spanien hinaus Anerkennung. Mehr über Jordies Schriften und seine typografischen Leidenschaften  Fünf Fragen für Jordi Embodas, Tipografies …

 

 Trola und Trola Text bei FontShop

Als der Woche erhält die Trola Text Familie für kurze Zeit einen Einführungsrabatt von 30%. Wer die Trola Headline Familie anschaffen möchte, kommt auch in den Genuss des Rabatts.


Shinns Neology fordert Leselehre heraus

Uniforme Lettern = Lesbarkeit. Nichts Geringeres als diese Grundformel zum Verhältnis von Buchstabenform zur Dekodierungsgeschwindigkeit stellt Nick Shinn mit der 15-schnittigen Neology-Familie in Frage.

Dabei ist der Name Programm. Shinn argumentiert, dass wissenschaftliche Forschung zur Natur des Lesens bisher ausschließlich auf Standard-Schriftarten aufbaue.

Shinn-Neologie-Headline

Statt verzerrter Ergebnisse fordert er neutrale Experimente zur Lesbarkeit, die auch Schriften mit Buchstaben-Varianten einbeziehen. Shinns These: Die kontollierte Variation von Buchstaben hat keinen Einfluss auf die Lesbarkeit – im Gegenteil. Aktivitäten, wie das Lesen, die Zeit in Anspruch nehmen, brauchen Unterstützung durch Abwechslung in der Formensprache.

Vielfalt schafft Aufmerksamkeit und hält wach. Gleichform ermüdet.

Neologys OpenType-Voreinstellung mixt die unterschiedlichen und doch fein aufeinander abgestimmten Fonts Neology Deco und Neology Grotesque so miteinander, dass es innerhalb von fünf Zeichen nicht zu Wiederholungen kommt.

Neology-Fonts

Neology besteht aus zwei Grotesk-Familien mit je fünf Schriftschnitten von Light bis Extrabold. Beide Fonts harmonieren in Dickte, Kontrast und vertikaler Proportion. Neology selbst entsteht durch die Mischung von Schriftzeichen des Deco- und des Grostesk- Fonts.

Neology Deco greift die Formensprache der geometrischen Sans Klassiker auf, allen voran Paul Renners Futura. Besonders deutlich zeigt sich dies an den geraden Auf- und Abstrichen von ‘K’, ‘R’ und ‘y’  und an den runden Punkten von ‘i’ und ‘j’.

Auf Renners Futura folgte 20 Jahre später Miedingers Helvetica deren Formensprache Neology Deco aufgreift: Hier rundet Shinn die Auf- und Abstriche von ‘K’, ‘R’ und ‘y’. Die Punkte von ‘i’ und ‘j’ sind eckig.   

Neology-Effekt

So funktioniert der Neology-Effekt:

  1. Die OpenType-Voreinstellung wählt für jedes zweite Zeichen den Alternate-Buchstaben aus der Alternativ-Familie.
  2. Wird ein zusätzliches Zeichen (hier der Punkt) eingesetzt, so springt die die Buchstabenfolge um.
  3. Die reine Deco- Variante wird angewählt, indem die Funktion ‘Contextual Alternates’ im OpenType-Menü ausgeschaltet wird
  4. Reiner Grotesk-Text erscheint durch auswählen des ‘Stylistic Set 1’ im OpenType Menü.

Über die Hälfte der Neology-Deco und -Grotesk- Zeichen teilen sich die Familien. Shinn entwarf Varianten für charakteristische Buchstaben. Nie verlor er die Anmutung aus derKombination beider Familien aus den Augen.

Kontrolliert zufällige Konzepte für alternierende Glyphen prägen die Font-Veröffentlichungen des Kanadiers seit der Einführung der OpenType-Technik.

Duffy Script (2008) und FF Fontesque Pro (2010) folgten bereits Shinns Ziel, Texten mit wechselnden Zeichen Leben einzuhauchen. Voran gingen Sippen, die mit vielformigen Familien gestalterische Spannung erzeugten: Eunoia (2002), Panoptica (2003) und Handsome (2005). Neology schließlich führt die Elemente ‘Zufall’ und ‘Variation’ zusammen. Für Nick Shinn ist sie  die bisher vollkommenste Lösung. Die Entwicklungsgeschichte der Familie beschreibt das 31-seitige Neology-PDF-Dokument (englisch, 845 kB).

 

Über Nick Shinn

Shinntype wurde 1998 in Toronto gegründet, um die Schrifteentwürfe von Nick Shinn zu veröffentlichen. Die Shinntype-Bibliothek enthält Print- und Webfonts für alle erdenklichen Einsätze: Verpackungen, Anzeigen, Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Shinns Fertigkeiten als Künstler, Autor, Art Director und Grafik-Designer befeuern seine eklektischen Schriftenentwürfe, die den Bogen von der Wiederbelebung der experimentellen Typografie bis zur Erforschung neuer Technologien spannen.

 

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