Buchtipp: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen

Dieses Buch werdet ihr entweder verschlingen, oder beleidigt zur Seite legen. Es gibt keinen Mittelweg, für einen Ratgeber, der sein Ziel so klar ins Auge fasst: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen.

Im Buch von Frank Berzbach geht es weder um Kreativitätstechniken, noch um neuste Erkenntnisse der Gehirnforschung. Es geht um »unmoderne« Themen, um alte Pfade, ums Innehalten, und um den Weg, nicht das Ziel. Viele Menschen zögern, wenn es darum geht, das eigene Leben zu gestalten. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Ängste, Trägheit oder Pessimismus, zum Beispiel.

Der Autor sagt dazu: »Wer oft unzufrieden ist oder frustriert, der sollte sein Leben ändern«. Gerade die Kreativprofis haben die Unzufriedenheit mit dem Realen in ihr Denken eingebaut. Schöpferisch tätig wird nur der, dem die bisherigen Lösungen nicht ausreichen. Diese Logik gilt auch für das Leben. Allerdings findet man die Tools, um sein Leben zu ändern, in keiner Werkzeugpalette und in keinem Menü. Der erste Schritt zu einem schöpferischen Leben ist der Wille, zunächst mal über sich selbst nachzudenken … Selbsterkenntnis als erster Schritt zur Selbstbestimmung.

Die Literaturliste am Ende des Buches ist lang, acht Seiten mit rund 200 Werken meist bedeutender Philosophen, Wissenschaftler und Künstler. Einer davon ist Joseph Beuys, dessen Lebensformel eine zentrale Rolle in Berzbachs Ratgeber spielt: Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit. Für alle vier Bereiche lohne sich der Kampf, schreibt der Autor. Und dieser erfordert eine Menge Energie. Und er erfordert Planung, Organisation und (handwerkliche) Übung. Beuys war ein Gegner des Einfach-mal-machen, spielerisch-intuitives Vorgehen entlarvte er als bloße Ideologie. Stattdessen verlangte er von seinen Studierenden naturwissenschaftlich-handwerkliches Können, philosophische Kenntnisse und persönliche Reflexion. »Ohne die permanente Arbeit daran überlässt man sich nur den unbereinigten Kräftekonstellationen im Inneren der kreativen Potentiale, und dabei heraus kommt der Missbrauch von Ideen«.

Fazit: Kreativität ist eine Daseinsform. Wir erreichen sie nur, wenn wir unentwegt darüber nachdenken, welchen Sinn unsere Arbeit hat. Dabei haben wir jederzeit die Freiheit, unsere Richtung zu ändern. Ganz wichtig dabei: Zwischendurch innehalten, und genüsslich einen Tee trinken. Wie das genau geht, davon handelt ein ganzes Kapitel des Buches.

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Dr. Frank Berzbach, Jahrgang 1971, hat nach einer Ausbildung zum technischen Zeichner seinen Zivildienst in der Psychiatrie absolviert, und anschließend in Köln, Bonn und Frankfurt/Main Pädagogik und Psychologie studiert. Er arbeitete als Wissenschaftler und Journalist und war lange Fahrradkurier für einen Buchladen in Bonn. Heute unterrichtet Berzbach Psychologie und Philosophie an der Ecosign Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln. Da sich die Welt laufend ändert, ändern sich auch ab und zu seine Interessen. Zurzeit beschäftigt er sich mit achtsamkeitsbasierter Psychologie, mit Buddhismus, Mode, Tätowierungen und mit Vampiren.


2 Kommentare

  1. Simon Wehr

    Ich habe »Kreativität aushalten« vom gleichen Autor gelesen und kann es sehr empfehlen. Inhaltlich hat es mir viele Hinweise auf bekannte und unbekannte Alltagsprobleme gegeben und buchgestalterisch ist es ein Prachtexemplar! Ich bin gespannt auf die Unterschiede zwischen beiden Büchern.

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