Biomineralwasser … noch ein Siegel

Der Streit war vorherzusehen, als die oberpfälzische Brauerei Neumarkter Lammsbräu auf der Messe BioFach in Nürnberg sein Mineralwasser BioKristall vorstellte. Konkurrenten und die Deutsche Wettbewerbszentrale legten umgehend beim Landgericht Nürnberg-Fürth Klage ein. Der Titel »Biowasser« verzerre den Wettbewerb und verstoße gegen das Lebensmittelrecht. Begründung: Wasser sei kein biologisches Produkt.

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erläuterte die Rechtsanwältin Christiane Köber, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg: »Der Verbraucher versteht unter ›Bio‹ Produkte, die landwirtschaftlich biologisch angebaut werden. Bei Wasser ist das anders.« Wasser sei von der Quelle weg natürlich. Besonderen Anstoß nahmen die Wettbewerber der Lammsbräu am eigens eingeführten Biomineralwassersiegel des Vereins Biomineralwasser e.V. Es ähnele zu sehr dem gängigen grünen europäischen Bio-Siegel, außerdem sehe die EU-Öko-Verordnung eine Kennzeichnung von Wasser gar nicht vor.

Seit letzter Woche ist der Streit vom Tisch, meldet Öko-Test heute. Das Wasser erfülle hohe Qualitätsansprüche und würde sich dadurch besonders auszeichnen.

Über den Sinn und Unsinn eines weiteren Siegels – mal abgesehen vom Marketing-Aspekt – darf nachgedacht werden. Wir haben inzwischen das offizielle, frisch gestaltete EU-Logo, das EU-Logo in der für Deutschland angepassten Form, die Logos der Anbauverbände (Bioland, Demeter, etc.) und die Logos der Handelsketten. Es vermischen sich also Siegel von staatlichen Stellen, privaten Verbänden und jetzt auch noch von Vereinen. Wann wirbt der erste Kurort mit Bioluft? Vielleicht sollten wir die Webfonts mit einem Biosiegel versehen, denn immerhin kann man mit ihnen nicht drucken (spart Tonnen von Papier), sie sind hochkomprimiert (senkt den Servertraffic) und werden zu 100 % ohne Verpackung geliefert.


11 Kommentare

  1. cd-rw

    hehe, biofonts. nur nicht verschreien, die beste satire ist nicht so übertrieben wie marketingideen.

    ich entsorge nicht mehr gebrauchte dateien vom desktop auch in meinen bio-papierkorb …

  2. AnonymousE

    und keiner denkt über das artgerechte entsorgen von bits und bytes nach.
    wohin mit für iphone giftigen flash dateien, wohin mit word textdateien oder pdf?

  3. stefano picco

    Ist das Wasser von glücklichen Quellen?

    Bioluft gibt es doch schon und wird auf sehr natürlichen Wege produziert, ob durch Kühe oder Korallen :>

  4. Tilo

    … dann ist eine Arial mehr Bio, weil schon beim Benutzer …

  5. Michael T.

    Ich erinnere mal an die Ecofont. ;)

  6. Martin

    Bitte schreibt nicht »vorprogrammiert«. Alles, was programmiert ist, ist im Voraus erdacht; man programmiert immer im Voraus. Da braucht es die Vorsilbe nicht.

  7. Christian

    Für ein Zeichen ist der Verlauf im Tropfen zu schwierig. Die Punze vom O hätte doch z.B. ein guter Tropfen sein können. Richtig schlimm ist das m.E. nicht, aber als Zeichen einfach zu schwach und beliebig. Dazu passen die Details wie das nicht ausgerichtete M in der Unterzeile etc. Handwerklich so lala, inhaltlich möchte ich lieber nichts sagen. Das Wasser ist bestimmt auch zu 100% fettfrei. :]

  8. macplanet

    Auch wenn der Streit vom Tisch ist: Lammsbräu dürfte sich durch die Idee, Biowasser auf den Markt zu bringen, geschadet haben. Für mich waren die Neumarkter bisher eine wirklich glaubwürdige Marke, da bekannt ist (oder war), daß da Leute am Werk sind, die wirklich hinter ihrer Idee stehen und die auf bemerkenswerte Weise die Bio-Idee in der Region verankert haben — aus anfangs sehr skeptischen Landwirten wurde eine kleine Bewegung, die zahlreichen Hopfen-und Getreide Felder in der Region mit großen Werbetafeln sprechen Bände. Nun ist Lammsbräu zu einer der vielen Firmen geworden, für die Bio ganz einfach eine Marktlücke ist, die man mit (vermeintlich) innovativen Produkten zu besetzen sucht. Bio-Wasser ist jedenfalls eine ausnehmend bescheuerte Idee.

  9. Tender

    Ausgestanden ist der Streit noch nicht ganz: Aktuell streitet man sich am Gericht in Nürnberg, weiß die Abendzeitung zu berichten. Das Gschmäckle, das die Zusammensetzung der illustren Bio-Initiatorenrunde (NL + alte Weggefährten) hinterlässt, habe ich im Bioblog vor einiger Zeit beschrieben.

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