Familie will wachsen: Lukas Schneider & FF Utility

Wie wirkt die Erweiterung einer Schriftfamilie sich auf das Gesamtkonzept aus? Sind Familien je ausgewachsen?  FF Utility, 2002 als Diplomarbeitsprojekt begonnen, erhielt kürzlich zwei neue Light-Schnitte – und eine komplette Überarbeitung. Zu den Hintergründen haben wir mit Lukas Schneider gesprochen.

Eine Schrift zu gestalten war für Designer Lukas Schneider schon deshalb naheliegend, weil man während des Studiums „ständig mit Schrift hantiert“ – und er im Rahmen seiner Diplomarbeit kostbare sechs Monate Zeit hatte. Zudem fand Lukas („Das war wie eine Erleuchtung für mich!“) am Schwarzen Brett einen Aushang von Linotype: Akira Kobayashi suchte eine studentische Aushilfskraft („Ich hab den Zettel sofort abgerissen, damit ihn kein anderer sieht“). So profitierte Lukas von Supervision bei der Entwicklung der FF Utility – oder damals noch ihrer Urform namens Gazoline. Die lag nach dem Diplom allerdings „erstmal ewig rum“ …

Lukas_Schneider_Interview_3

FontFont veröffentlichte die Ur-FF-Utility-Familie mit fünf Fonts 2008. Im letzten Monat kamen die Erweiterungen Thin und Extra Light hinzu.  

Wie die weitere Entwicklung der FF Utility verlief, beschreibt Lukas so:

Lukas, war der Name Programm?

Nicht ursprünglich. Beim Gestalten dachte ich an 50er-Jahre-Schriften an Tankstellen in den USA und hatte Gazoline im Sinn; das fand ich kraftvoll – ging aber nicht, gab es schon. Es gab Namensvorschläge von Stephen Coles (soweit ich mich erinnern kann), – Utility fand ich am passendsten. Irgendwann sieht man das pragmatisch. Zudem hatte sich die Ästhetik der Schrift im Gestaltungsprozess geändert.

Warum kommt jetzt die Erweiterung? Was war deine Motivation?

Die Erweiterung, oder die Idee zur Erweiterung, war schon da, bevor die FF Utility mit fünf Schnitten 2008 als FontFont herauskam.

Das klingt, als hätte FontFont gedrängelt?

Ja, schon (lacht leise)… Zum Beispiel möchte das FF-Type-Department immer vier Ziffernsätze. Die haben wir für fünf Ur-Schnitte gemacht von Light bis Black. Damals dachte ich schon, es wäre schön, etwas noch Leichteres für große Headlines zu haben. Oder eine Condensed. Schon 2008  habe ich erste Versuche gemacht – nebenher – dann lagen die Sachen eine Weile rum – und jetzt war es einfach an der Zeit.

Inzwischen konzentriere ich mich mehr auf Schrift (Lukas Schneider resümiert).

Weil ich für mich gelernt habe, ohne Konzentration wird es nichts.

Die Entwürfe liegen sonst zu lange herum und man hinterfragt Details ständig neu. Anfang des Jahres habe ich mir gesagt, jetzt ziehst du das durch. FontFont freuen sich ja auch immer, Ivo fragt: „Gibt’s denn auch mal Italics?“ Jetzt haben wir zwei neue leichte Schnitte gemacht, bzw. einen ganz dünnen Master, die Thin, und dann eine Interpolation, die Extra Light.“

Utility_Relase_14_12

Die Gesamtheit aller Schriftschnitte muss stimmen, einer einheitlichen Formensprache folgen. Also überarbeitete Lukas Schneider anlässlich der Neuzugänge die Ur-Familie gleich mit.

Der Prozess hielt konzeptionelle Überraschungen bereit: Es war nicht so einfach wie anfangs gedacht. Diese zwei leichten Schnitte waren von mir damals nicht eingeplant. Das heißt, wenn ich sie genau nach Plan durchgezogen hätte, wären die Proportionen im Gesamtbild nicht wirklich harmonisch gewesen.Das hat dazu geführt, dass ich dann doch auch die Proportionen der alten Schnitte überarbeitet habe, was vorher eigentlich nicht so geplant war.

Ich dachte anfangs, die alten Schnitte packst du einfach gar nicht an (lacht leise):

Man sieht Sachen, die man vorher nicht gesehen hat. Das will man dann einfach nicht so stehen lassen wie es war.

Ich finde die Schriftfamilie ist durch die Anpassungen moderner geworden und durch die Erweiterung des Zeichensatzes durch SmallCaps beispielsweise auch vielseitiger einsetzbar.“

Lukas, warum eigentlich keine Kursive?

Ich weiß, es gab Rezensionen zur FF Utility; einige meinten, dass es keine Kursive braucht und Auszeichnung auch anders geht. Jetzt geht das ja auch mit Small Caps. Ganz ehrlich – für mich war das damals zu viel Arbeit. FF Utility ist mein allererstes Schriftprojekt und so nicht geplant. Im Grunde wäre es schon gut, Kursive zu haben …

Gibt es einen Trend, auf Kursive zu verzichten?

Das sehe ich nicht so.

Selbst aktuelle Monospace-Schriften haben Italics.

Wenn ich mich so umschaue, sehe ich keinen Trend darin – Gottseidank. Die FF Utility gibt das gestalterisch her. Prinzipiell bin ich auch sehr kritisch wenn es um die eigene Arbeit geht und die Überarbeitung der FF Utility hat mir bereits viel Zeit geraubt, also nicht ,geraubt‘, sondern mich Zeit gekostet. Heute erwarten ja viele von einer Schrift, dass sie mindestens 16 Schnitte hat. Ich denke aber, weniger ist manchmal mehr und ich finde es durchaus legitim einfach erstmal die Geradestehenden zu veröffentlichen und dann weiter zu schauen.

Meine Schlussfolgerung: Die Familienplanung damals war vielleicht unbedarft.

In Zukunft würde ich auch die Italics mitplanen.

Es wäre besser, parallel zu planen oder alles zumindest ansatzweise mitzudenken, mitzuskizzieren. Es ist für mich schwierig, über eine – oder vielleicht speziell diese – Schrift zu sprechen.

Die FF Utility war sein Schneiders Einstieg. „Ohne inhaltliche Hintergedanken“ sei er damals an die Schriftgestaltung herangegangen, ohne an bestimmte Anwendungsbereiche zu denken – „frei Schnauze“. Trotzdem, oder vielleicht deshalb, trägt seine FF Utility ihren Namen selbstbewusst und ganz zu Recht und voller Würde.

Lukas_Schneider_Interview

Zeichnen, drucken, korrigieren, zeichnen drucken korrigieren … Lukas Freizeitaktivitäten haben bis zum Release der neuen FF Utility Schnitte immens abgenommen. Das wird jetzt anders. Oder kommen doch Italics? 

Und was macht Lukas Schneider, wenn er mal nichts Nützliches tut? Für ihn offenbar die schockierendste aller Fragen: „Oh je. In letzter Zeit … oh je … das hat ganz schön abgenommen. Fahrrad fahren, also bißchen intensiviert, Rennrad, aber … mmh … das ist immer echt schwierig.“ Ich bin mir nicht sicher, meint er „immer“ diese Fragen oder „immer“ diese Freizeit, und möchte ihn nicht länger quälen – da kommt ein entschiedener Nachsatz: „Ich bastele gerne. Sachen vom Sperrmüll aufmöbeln, eine Designer-Couch zum Beispiel – einen alten Plotter habe ich umgebaut. Und sonst, ja … nee. Also es hat schon ziemlich viel mit Schrift zu tun. Man rennt mit offenen Augen rum, fotografiert, sammelt“.

Wir freuen uns, wenn er weiterbastelt – auch an der FF Utility.

Lieben Dank für das Interview, Lukas! Das Interview führte Sonja Knecht .


Fontlisten zu über 700 Themen [update]

FS.com-FontlistenFontlisten sortieren die knapp 10.000 Familien auf der FontShop.com-Site anschaulich nach Zweck, Thema oder Epoche

Zusätzlich zur typografischen Klassifikation in Sans, Serif, Slab, Script und weitere Stile, empfiehlt die FontShop.com Site Schriften für vielfältige gestalterische Vorhaben.

So bündeln die Fontlisten Schriften nach Genre (Art-Deco, Geometric Sans, Bauhaus inspiriert, …), listen Problemlöser (Branding & Identity, Editorial, kalligrafische Scripts, Monospaced, …) oder widmen sich bestimmten Epochen (20er, 30er, 50er …).

Fontlist Compu-Retro, FontShop.comIn drei Ansichten stehen die Fontlisten-Schriften zur Verfügung: Als Oneliner (Bild), Cluster und bebilderte Liste mit Hintergrund-Informationen. Liste: Compu-retro, zusammengestellt von Yves Peters 

Ein Großteil der Listen zeigt Alternativen zu häufig verwendeten Schriftklassikern (Helvetica, Trajan, Futura, …). Schriftexperten wie Stephen Coles (Typographica, FontBook, FontBook App), Yves Peters (FontFeed) oder Jürgen Siebert (Fontblog, TYPO Konferenzen) haben die Erstellung der Listen tatkräftig unterstützt.

Wer sich einloggt (linke Seitenleiste, Logo aufklappen, ganz unten) kann eigene Listen erstellen, zum Beispiel für Jobs, die öffentlich sichtbar sind und eigene URLs besitzen, oder – auf Wunsch – privat bleiben. 


San Francisco, (noch) ein unbeschriebenes Blatt

89bbefe72bc18d671e0671b6e088699c_large

Ich bin ein großer Fan der gepixelten Wimmelbilder von eBoy. Vor fast 10 Jahren erschien ein erster Beitrag über ihre Großstadtbilder aus der Fluchtpunktperspektive im Fontblog (Neue Stadtansichten von eBoy). Inzwischen sind weitere Metropolen dazugekommen, unter anderem Tokyo (2007), Paris (2010) und Venedig (2011). Die drei Jungs von eBoy nennen diese Werke Pixoramen (sing.: Pixorama). Auf ihrer Website gibt es viele Beispiele zu sehen.

In den Motiven steckt wochenlange Arbeit. Früher wurde sie oft von privaten Auftraggebern finanziert, zum Beispiel Coca Cola, O’Reilly oder die Kölner Werbeagentur MSH. Doch die Welt hat sich weiter gedreht, vor allem die digitale und mit ihr die Pixelbilder von eBoy. Die nächste Stadtansicht wird von der Crowd finanziert, auf Kickstarter. Hier wollen eBoy in den kommenden 4 Wochen mindestens 24.000 Dollar für ein San Francisco Plakat erwirtschaften, und sie sind auf dem besten Weg, dies in kürzester Zeit zu erreichen. Auf 8000 Dollar steht der Zähler schon, nach nur 2 Tagen.

Kein Wunder, denn die Gegenleistungen sind verlockend. Neben hochaufgelösten Wallpapern, T-Shirts und gedruckten Postern kann man sich auch selbst als Custom Pixel Avatar in Gewimmel von San Francisco verewigen lassen (16 mal zu vergeben, bereits 6 mal gebucht, für 512 Dollar). Weitere Angebote: ein eigenes Pixel-Fahrzeug (1024 Dollar), das Patenschaft-Paket (4048 Dollar) oder eine Präsentation von eBoy auf einem Event des Spenders (7680 Dollar).

2d8790aaddf456c289a2ee600fea4bfe_large

Wer sich gerne in dieser Reihe wiederfinden möchte: mit 512 Dollar bist du dabei …


Ausstellungstipp: Lebensrealität des Users

Im Festival, das die diesjährige Transmediale begleitet, eröffnete vergangenen Donnerstag Creative-Morning-Sprecher Martin Reiches Ausstellung Computability, Survival and Cybergenesis. Die Installationen fragen nach der menschlichen Existenzberechtigung, in einer Zeit in der globale Kommunikation, elektronische Kriegsführung und Überwachung unseren Alltag immer stärker beeinflussen. Werden wir zu Objekten unserer eigenen Technik? Die unsere Existenz zunehmend bedroht?

Zwischen Medienkunst und Informatik bewegen sich Reiches installative und skulpturale Werke. Sie zeigen die Wahrnehmung einer neuen Natur, in der das Menschliche eine untergeordnete Rolle spielt.

Reiche-Installation-NN

Foto: „Drone Garden“ – Installation von Martin Reiche. Fotografie von Isaac Gee, Nachbearbeitung durch Martin Reiche (CC-BY-4.0 International).

Die Werke bewegen sich in Gebieten der Computerforensik und Softwarekunst und stellen die Frage nach der Beschaffenheit und dem Potenzial von Software für den Eingriff in die Lebensrealität des Users, also uns allen.  

Martin Reiche ist ein audiovisueller Künstler in Berlin, Mitbegründer und in der Leitung des Laboratory for the Analysis of Social Networks (LASN) an der Staatlichen Universität für Gestaltung Karlsruhe, Mitbegründer der Subformat Research Group, die sich mit der Theorie des Raumes und räumlicher Digitalisierung beschäftigt, und Referent auf Computer-, Digitalkunst und Gaming-Konferenzen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Februar geöffnet. Ein Gespräch mit dem Künstler wird am 29. Februar um 19 Uhr in der Galerie stattfinden. Der Eintritt ist kostenlos.

Wo? Green Hill Gallery, Grünberger Str. 13 in Friedrichshain


Haselnussbrotaufstrich mit eigenem Namen

Mir gefallen ja solche Aktionen, wie sie gerade von Nutella veranstaltet werden. Unter dem Motto »dein nutella« können Fans des süßen Brotaufstrichs auf nutella.de ihr eigenes Etikett beschriften und sich zusenden lassen. Die Texteingabe wird von einer Vornamen-Datenbank überwacht, so dass Firmennamen und Konkurrenzmarken nicht angenommen werden. Schade … nichts wäre skurriler auf dem Frühstückstisch als ein Nutella-Glas, das sich Nudossi nennt.

nutella


Wettbewerb Schönste deutsche Bücher gestartet

stiftung

Pünktlich zum Jahreswechsel startet die Frankfurter Stiftung Buchkunst »das Casting um die 25 schönsten deutschen Bücher«. Der Wettbewerb richtet sich an Verlage, Buchgestalter und die produzierenden Betriebe. »Die schönsten deutschen Bücher 2015«, und zwar die exakt fixierte Menge von 25 Preisträger, werden von einer zweistufigen Jury aus allen Einsendungen ermittelt. Diese 25 Bücher, die sich durch erstklassige Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung auszeichnen, sind gleichzeitig die Nominierungen für den mit 10.000 Euro dotierten »Preis der Stiftung Buchkunst«, der für »das schönste deutsche Buch« vergeben wird.

Eingereicht werden können Neuerscheinungen der Jahre 2014 und 2015 (Erscheinungsdatum: 15.03.2014 – 31.3.2015) bis zum 31. März 2015. Die Veranstalter betonen: »Bei unserem Wettbewerb Schönste deutsche Bücher geht es explizit um das gut gestaltete Gebrauchsbuch. Willkommen sind beispielsweise auch Taschenbücher, Graphic Novels oder das nicht-illustrierte belletristische Buch.« Alle nötigen Infos und Formulare zur Teilnahme am Wettbewerb 2015 finden sich hier und hier auf stiftung-buchkunst.de!

Der Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« geht zurück auf das Jahr 1929 und ist damit einer der ersten Wettbewerbe der Branche.


Spark bringt Schönschrift auf Low-Tech-Displays

spark1_1696_px

Pünktlich zur Elektronikmesse CES in Las Vegas haben unsere Kollegen bei Monotype in Woburn (Massachusetts) eine neue Font-Technologie-Umgebung veröffentlicht, die es erlaubt, – vereinfacht gesagt – dem ›Internet der Dinge‹ typografisch auf die Sprünge zu helfen. Mit dem Spark™ Font-Baukasten ist es erstmals möglich, mit wenig Code, wenig CPU-Power und wenig Energie skalierbare Schriften auf simplen Displays zu realisieren. Das Internet der Dinge ist das zentrale Thema der diesjährigen CES, die sich in Referaten und auf Messeständen intensiv der Anbindung von Geräten ans Netz widmet.

Der Präsident von Samsung, Boo-Keun Yoon, widmete fast seine gesamte Keynote der Vernetzung von Alltagsgegenständen. Sie habe das Potential, die ganze Gesellschaft zu transformieren. Um seinen Thesen mehr Gewicht zu verleihen, holte Yoon den amerikanischen Ökonomen und Soziologen Jeremy Rifkin auf die Bühne, der eine »Ära der Superkonnektivität« ausrief. Beide Referenten beschrieben Szenarien, die Samsung mit seinen Produkten noch in diesem Jahr möglich machen wolle … mit vernetzten Geräten wie elektrischen Zahnbürsten, Personenwaagen, Kühlschränken oder Espressomaschinen, die alle über kleine Bildschirme ihren »aktuellen Gemütszustand« spiegeln um ihn anschließend zu senden.

Das Problem, vor dem zur Zeit viele Ingenieure stehen: die meisten Haushaltsgeräte sind digitale Analphabeten, die mit voll grafikfähigen Touchscreens, wie wir sie alle lieben, nicht nur gnadenlos überfordert wären sondern auch hoffnungslos teuer würden. Als Alternative bieten sich simple Digitalanzeigen mit fixen Pixelfonts an, die zwar den Charme eines Kraftwerk-Album-Covers der 1980er Jahre verbreiten, aber als vernetztes High-Tech-Tool im Elektronikmarkt nur schwer vermittelbar sind. An dieser Stelle kommt Monotype Spark ins Spiel, das quasi grafikfähige Typografie (= skalierbar aus Vektordaten errechnet) auf Low-cost-Displays ermöglicht.

display_von_gestern

Anzeigequalität von gestern, heute morgen auf dem Weg ins Büro festgehalten: fixe Bitmap-Fonts informieren im KFZ-Display über die empfangbaren Radiostationen … raumgreifende 1980er Jahre Font-Technologie auf einem 5-Zoll-Bildschirm Baujahr 2007

Mit der Hilfe von Monotypes Spark müssen sich die Entwickler elektrischer Geräte keine Gedanken mehr über Rechenpower oder Speicherkapazität machen. Das System umfasst die Software-Komponenten iType® Spark und WorldType® Shaper Spark, sowie einen Satz optimierter Fonts, darunter Avenir®, Burlingame®, Frutiger®, Helvetica® und Univers®. Die iType-Komponente erlaubt den Entwicklern, Schriftzeichen aus hochwertigen TrueType-Fonts zu skalieren und zu rendern, einschließlich Auto-Hinting in Echtzeit, so dass Texte einfarbig oder in 8-Bit-Graustufen ausgegeben werden können. Dies alles erfordert nicht mehr als 20 KB RAM-Speicher und spielt sich mit einem Code-Volumen von rund 100 KB ab (für einen ARM Prozessor).

Die WorldType-Shaper-Software hilft dabei, die benötigten Zeichensätze und Zeilenumbrüche für »exotische« Absatzmarktes sicher zu stellen, zum Beispiel wenn komplizierte und bidirektionale Skripte wie Arabisch, Thai oder Devanagari auf Low-End-Geräten abgebildet werden müssen. Schon jetzt unterstützt Spark, neben den westlichen Sprachen, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch und Arabisch. In der Grundausstattung beansprucht WorldType lediglich 5 KB Rechenspeicher und Platz für 118 KB Programmcode.

spark3_1696_px

Selbst Instrumente mit wenig Rechenpower können dank Monotypes Spark im Internet der Dinge mit kristallklaren, skalierbaren Textnachrichten kommunizieren

Eine skalierbare Schriftlösung dieser Qualität stand Ingenieuren, die Geräte mit wenig Speicherleistung und geringer CPU-Auslastung entwickeln, bisher nicht zur Verfügung. Mit Spark können erstmals kostengünstige und qualitativ hochwertige Textdisplays realisiert werden, die mehrere Sprachen und diverse Schriftgrößen im Rahmen einer minimierten Hardware-Umgebung unterstützen.

»Die Kunden von heute haben einen hohen Anspruch an das User-Interface ihrer Geräte – egal, ob es dabei um Displays im Auto, auf neuen Fitnessarmbändern oder die Anzeige auf einer Insulin-Pumpe geht«, erläuterte Geoff Greve, Vice President Type Operations bei Monotype, anlässliche der Vorstellung von Spark am vergangenen Montag. »Bisher waren Designer und Ingenieure in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt. Es war nicht möglich, flexible und skalierbare Text-Displays für Geräte mit geringer und mittlerer Rechenleistung zu entwickeln, ohne viel Arbeitszeit und höhere Kosten in zusätzliche Hardware oder Speicherkapazität zu investieren. Unsere Spark-Lösung gibt nicht nur den Texten auf Displays ein besseres Aussehen, sondern sie erlaubt zudem den Geräteherstellern, ihre Entwicklungskosten gering zu halten, weil sich eine Instrumentenserie sehr leicht mit anderen Sprachen und neuen Zeichensätzen für internationale Märkte skalieren lässt.«

spark2_1696_px

Das Tolle an der neuen Technologie: jeder Interface-Ingenieur kann sie sofort selbst ausprobieren. Auf spark.monotype.com steht Monotype Spark mit vorgefertigte Binärdateien für eine breite Auswahl an Plattformen zum Download kostenfrei zur Verfügung. Das Download-Paket enthält ein Handbuch und Demofonts. Lizenzen zur kommerziellen Nutzung können ebenfalls später direkt online erworben werden. Kunden bekommen auch die SDK Quellcodes, wenn sie es bevorzugen, selbst zu portieren oder Anpassungen vorzunehmen.


Die FDP kämpft um eine neue Identität [Update]

fdp_gelb

Eine Serie verlorener Wahlen und der Aufstieg der AfD haben die Freien Demokraten (FDP) 2014 in eine bedrohliche Situation gebracht. Nach einem angedeuteten und rasch dementierten Kurswechsel Richtung rechts (»geistige Neugründung«), scheint Parteichef Christian Lindner zum letzten Strohhalm zu greifen: einem visuellen Neustart. Bereits am 20. Dezember deutete Die Welt an: »Die aus dem Bundestag geflogenen Liberalen werden Anfang des nächsten Jahres ihre neuen Parteifarben enthüllen. Für den Neuanfang will die Partei möglicherweise sogar ein neues Logo entwerfen.«

Zum morgigen Dreikönigstreffen werde sich die FDP neu erfinden und mit ihrer blau-gelben Identität brechen, hieß es weiter. Zur Diskussion stünden alternative Farben und ein neues Logo. »Die FDP wird sich in Stuttgart in neuer Frische zeigen – auch gestalterisch«, zitiert Die Welt Andreas Mengele, Chef der Berliner Werbeagentur Heimat. Die Berliner betreuen seit zwei Monaten die FDP-Bundespartei und entwickeln für die Liberalen ein neues Kommunikationskonzept.

fdp_blau

Am heutigen Montagabend verrät BILD weitere Details zum visuellen Comeback der Freien Demokraten. »FDP-Chef Christian Lindner (35) wird das neue Logo der Liberalen am Dienstag auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart offiziell vorstellen. BILD zeigt es schon jetzt.« Wir sehen zwei Visuals, die eine »neue« Schrift im Einsatz zeigen – Rockwell (Frank Hinman Pierpont, Monotype, 1934) statt Corporate S (Kurt Weidemann, URW, 1990), neue Farbkombinationen und den Slogan »Freie Demokraten« statt »Die Liberalen«.

Zur Diskussion stünden zwei Versionen, schreibt BILD: Blauer Hintergrund mit gelbem Schriftzug und gelber Hintergrund mit blauem Schriftzug – der dominierende Vorschlag, hieße es aus Parteikreisen. »Besonders auffällig«, schreibt BILD: der magentafarbene Balken. Magenta solle neben den bisherigen Farben Gelb und Blau die dritte Parteifarbe werden. Die allerletzten Details des Logos seien in der FDP-Führung bis spät abends diskutiert worden, so dass morgen noch mit einer dritten Version zu rechnen ist: die Wörter »Freie«, »Demokraten« und »FDP« jeweils untereinander und rechtsbündig.

Die hier gezeigten Abbildungen sind inoffizielle Interpretationen, angelehnt an die BILD-Fotos, die ich mit der Schrift Rockwell Bold nachgebaut habe.

[Update, 6. Jam 2015, 14:15]

Das neue Logo und die neue Farbgebung sind enthüllt. Weniger schlimm als von BILD vorausgesagt. Die Schrift ist nicht Rockwell, sondern eine leicht modifizierte PMN Caecilia (mit einer Art Helvetica-e), das Blau ist heller und die Grundfarbe Gelb bleibt erhalten. Mit anderen Worten: Die FDP ist jetzt CMY.

fdp_logo_neu_orig

Zum neuen Auftritt der Freien Demokraten erklärt der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner heute:

»Wir haben das letzte Jahr intensiv genutzt, um unser Profil zu schärfen, uns unserer Identität zu versichern und Fehler aufzuarbeiten. Die FDP steht für mehr Chancen durch mehr Freiheit. … Wir haben Lust auf die Gestaltung der Zukunft statt uns in der Gegenwart zurückzulehnen. Wir verteidigen den Innovations- und Wohlstandsmotor Soziale Marktwirtschaft, die Bürgerrechte und die Toleranz unseres Landes gegen Angriffe jeglicher Art. Dieser Geist treibt uns an. Mit unserem neuen Auftritt bekräftigen wir nun das Bekenntnis von Theodor Heuss und den Mitgründern unserer liberalen Partei: Wir sind Freie Demokraten.«

Das neue Logo der FDP kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: fdp.de/sites/default/files/uploads/2015/01/06/logos_fuer_druck_und_web.zip


Kreativer Input – Creative Mornings Berlin 2014

Vor dem Frühstück? Freitag früh? »A monthly breakfast lecture series for creative types. Each event is free of charge, and includes a 20 minute talk, plus coffee!« lautet das Erfolgsrezept von Creative Mornings-Gründerin Tina Roth Eisenberg für die Vorlesungsreihe, die seit 2008 weltweit Anhänger findet. 

Trafopop CM_Berlin
Ein visuelles Highlight der der Berliner Creative Morning Veranstaltungen 2014: Thomas Gnahm von Trafopop mit dem irisierenden Logo des Events. Foto: Swen Rudolph

Creative Mornings starteten in New York, Los Angeles und Chicago, schwappten von dort nach Zürich – Heimat der Gründerin – und weiter nach London und Berlin. Inzwischen verzeichnet die Creative-Mornings-Bewegung Gastgeber in 104 kreativen Metropolen, die neueste in der Albanischen Hauptstadt Tirana.

Berlin_CM: Zuletzt stellte Design- und Innovationsmanagerin Zwetana Penova eine Online-Plattform für Open Educational Resources (OER) mit wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Erkenntnissen für neues Lernen vor

Auch in Berlin wächst die Gemeinde freitäglicher Frühaufsteher. 2014 organisierten CM-Berlin-Gastgeber Jürgen Siebert und sein Team 11 Morgenvorträge:

Videos der weltweiten Creative Morning Lectures werden seit Beginn archiviert und bewahren Impulse aus den Ideenschmieden der Welt. Alle Videos sind auf der CM-Homepage frei zugänglich. Sprache aller Vorträge ist englisch. Auch die Teilnahme ist kostenlos.

★  ★  ★

Der erste Creative Morning 2015 findet am 23. Januar um 8:30 im Orangelab am Ernst-Reuter-Platz 2 statt. Wir freuen uns, den Medien-Journalisten Henry Steinhau zu begrüßen. Weitere Informationen und Anmeldung … 


Heute vorgestellt: Das Berlinale-Plakat 2015

Das offizielle Berlinale Plakat 2015

Es ist ein lange Tradition im Fontblog, alle Jahre wieder einen Blick auf das Plakat der Berliner Filmfestspiele Berlinale zu werfen. Vor wenigen Stunden wurde das Motiv 2015 vorgestellt, erneut entworfen von der Berliner Agentur Boros. Im kommenden Jahr wird ein sich öffnender Vorhang das Poster der Berlinale zieren. Mit dem aktuellen Berlinale Plakat Motiv möchten die Veranstalter jenen »magischen Moment« vor dem Kinoerlebnis hervorheben, in dem der Vorhang falle und den Blick auf die Leinwand frei gebe, wie Festivaldirektor Dieter Kosslick heute bei der Vorstellung der Werbekampagne erklärte. Das Key Visual wird in zahlreichen Abwandlungen für verschiedene Festival-Ereignisse werben.

Die 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 5. bis 15. Februar 2015 statt. Ab Mitte Januar wird das Plakat zunächst rund um den Potsdamer Platz und kurz darauf im Rest der Stadt auf das Festival einstimmen.

Montage_Plakat